Werkstatt Blog

Die Gefährlichkeit von Holzschädlingen bei Möbel wird oft überschätzt, doch manchmal leider auch unterschätzt.

Jeder der mit alten Möbel und Objekten zu tun hat, kennt das nur zu gut, kleine „Wurmlöcher“ aus denen zeitweise feiner Holzstaub rieselt.

Ich behandle hier in diesem Artikel ausschliesslich dieses Thema in Bezug auf bewegliche Objekte wie Möbel in geheizten und belebten Räumen. Schädlinge an verbauten Bauteilen erfordern ein anderes, als das von mir weiter unten vorgestellte Vorgehen!

Obwohl Holzschädlinge und deren Spuren an Möbeln ein verbreitetes Problem sind, wird dieses meiner Meinung nach noch viel zu wenig diskutiert. Nachwievor ist der Griff zu Insektenvertilgungsmitteln die gängige Reaktion bei vermutetem Insektenbefall. Oft werden antike Möbel  im Zuge einer Restauration schon prophylaktisch mit Holzwurmtod gegen Holzschädlinge behandelt. Dies erstaunt, da es sich bei diesen Mitteln oft um starke Gifte handelt, die noch lange Zeit ausdünsten. Natürlich gibt es heute auch weitere ungiftige Verfahren die aber oft sehr aufwändig und teuer sind, wie beispielsweise  die Begasung mit CO2, punktuelle Erhitzung der betroffenen Stellen durch Mikrowellen oder die Dehydrierung mit starken Alkoholen.

Insektenvertilgungsmittel bei Möbel einsetzen? Ja aber mit Bedacht!

Dieser Artikel hat nicht das Ziel den Einsatz von Insekten-vertilgungsmitteln  zu verteufeln. Es gibt durchaus Schädlingsarten, bei denen der gezielte Einsatz solcher Mittel Sinn macht. Kann die Art bei einem Schädlingsbefall beispielsweise nicht zweifelsfrei identifiziert werden, ist der Einsatz eines Vertilgungsmittels ebenfalls der sicherste und wirtschaftlichste Weg um mögliche weitere Schäden zu verhindern. Womit ich auch zu meiner eigentlichen Motivation, diesen Artikel zu schreiben, komme.

Mit welchem Schädling hat man es zu tun?

Kennt man die Art des Schädlings, ist es besser möglich diesen verhältnismässig zu bekämpfen. Aus diesen Gründen habe ich ein Beurteilungsverfahren entwickelt dass mir anhand verschiedener Schadensmerkmale hilft den Schädling zu bestimmen. Wenn man sich nähmlich mal genauer mit den verschiedenen Trockenholzschädlingen befasst, fällt einem auf, dass es sich um sehr unterschiedliche Spezies mit sehr indivduellen Eigenarten handelt.

Nicht nur deren äussere Erscheinung und Grösse ist unterschiedlich, sondern vor allem die Spuren die sie am und im Holz verursachen, sind oft klar einer Spezies zuzuordnen. Das Bohrmehl enthält zudem meistens Kotbällchen die unter dem Mikroskop eindeutigen Aufschluss über die Gattung des Schädlings geben. Somit ist es in den meisten Fällen möglich den betreffenden Schädling auch ohne Fund eines Insektes zu bestimmen.

Durch weitere Informationen wie Holzart, Holzfeuchte und Standort kann dann der Grad der Gefährdung eingeschätzt werden. Bei der Gefärdungsabschätzung ist die Standorttreue des jeweiligen Insektes entscheidend. Während die einen Schädlinge lediglich ein bestimmtes Objekt befallen, können andere im schlimmsten Fall sogar Parkett oder Einbaumöbel infiszieren.

Ist der Schädling identifiziert, kann anhand weiterer Faktoren die Aktivität desselben abgeschätzt werden.

Die verschiedenen Schädlinge fühlen sich in unterschiedlichen klimatischen Bedingungen wohl, sinkt beispielweise die Holzfeuchte unter 10% ist bei den meisten Arten eine Entwicklung nicht mehr möglich und der Befall hört ohne weiteres zutun auf. Um Geschlechtsreife zu erlangen müssen sich die meisten Trockenholzinsekten verpuppen, dies ist nur unter idealen Bedingungen möglich. Da heute in zentralgeheizten Räumen die Holzfeuchte oft unter 10% liegt, sind die klassischen Schädlinge wie man sie von antiken Möbeln her kennt, bei modernen Massivholzmöbel in geheizten Räumen in der Regel kein Problem mehr.

Ich werde oft von Kunden kontaktiert weil sie Bohrmehlhäufchen in oder unter antiken Möbeln finden. Dies muss in vielen Fällen nicht unbedingt auf einen aktiven Befall hindeuten. Sondern diese können auch von einem sogenannten Nützling herrühren, der tote Larven frisst und dabei die Frassgänge ausräumt. Ebenso kommt es vor, das durch Holzschwund oder Erschütterung das Bohrmehl aus  alten Gängen rieselt. In diesem Zusammenhang ist die Jahreszeit eines solchen Bohrmehlfundes eine weitere wichtige Information zur Beurteilung eines Falles vor Ort.

Neue, gefärliche Arten

Seit ein paar Jahren tauchen in Zentraleuropa aber auch neue aus anderen Weltgegenden stammende Schädlinge auf, die teilweise um ein vielfaches gefährlicher sind, als viele der bei uns seit jeher heimischen. Diese werden in der Regel durch Importe von befallenem Kulturgut oder auch, infisziertem Holz oder gar Möbel nach Europa gebracht. Hat man es mit einem solchen Schädling zu tun ist höchste Vorsicht angeraten, denn solche Arten können teilweise auch bei extremen klimatischen Bedingungen überleben. Dies bedeutet dass sie sich auch in zentralgeheizten Räumen entwickeln können.

Fazit; Stellt man Anzeichen für einen möglichen aktiven Befall fest (Bohrmehl, Frassgeräusche oder Fund von Käfern) ist eine genauere Abklärung angezeigt!

Weitere Infos zu meiner Dienstleistung Holzwurmbekämpfung, finden Sie hier.

Erfahrungsaustausch

Es würde mich freuen von Ihren Erfahrungen bezüglich Holzschädlingen zu hören.

 

2 Gedanken zu „Werkstatt Blog“

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