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Bierlasur, ein fast vergessenes Kunsthandwerk…

Die Bierlasur ist eine Maltechnik mit der sich die verschiedensten Materialien wie edles Holz oder Marmor täuschend echt nachahmen lassen. Bis zum Ende des 19. Jahrhundert war dieses Handwerk im ländlichen Raum von Mitteleuropa noch weit verbreitet.

Dieses Gewerk wurde oft von wandernden Malern ausgeführt und noch heute findet man deren Werke auf dem Lande, in Kapellen und Klöstern des Barock. Aber auch lasierten Möbel aus dem ländlichen Raum, insbesondere der Ostschweiz begegnet man noch gelegentlich.

Bierlasur
Truhe in Bierlasur gestrichen aus dem Jahr 1864

Gepflegt und restauriert strahlen diese Möbel einen eigentümlichen Charm aus. Leider wurden in den letzten 80 Jahren aus Gründen des Zeitgeschmackes viele kunstvoll bemalte Möbel abgelaugt oder überstrichen. Ein besseres Schicksal war den regionalen «Spezialitäten» wie den sogenannten Appenzeller oder Toggenburger Möbel vergönnt. Die zeitlosere, bildlich darstellende Bemalung bewahrte diese oft vor dem Schicksal der Zerstörung.

Wie stellte man eine Bierlasur her…

Wie der Name schon erahnen lässt wurde für die Herstellung der Lasur schales Starkbier als Bindemittel benutzt. Die Stärke im Bier fungierte dabei als Bindemittel. Die Bierlasur selber wurde auf einer hellen Grundierung Nass in Nass mit Hilfe verschiedenster Werkzeuge wie Fingerpinsel, Schwämmen und Vertreibern aufgebracht. Da diese Lasur weder Wasser- noch Abriebfest war, musste sie mit einem Schutzüberzug versehen werden. Als Pigmente wurden meistens Erdpigmente wie Ocker oder Umbra benutzt. Oft Unterstreicht die Komposition und Anordnung des Holzbildes die Form und Funktion des Möbels sehr eindrücklich.

Bei der Ausführung der Holzmalerei spricht man daher auch vom lasieren, fladern oder maserieren.

Das Problem des qualitativ schlechten Schutzlackes…

Oft werden solche Möbel abgelaugt, weil ihre gealterte Oberfläche stumpf, dunkel und ausgetrocknet wirkt. Meistens jedoch ist lediglich der Schutzfirnis beschädigt oder durch das Alter stark nachgedunkelt und Kraqueliert.

Die dazumal verwendeten Firnise wurden aus einfach verfügbaren Harzen von den Künstlern selbst hergestellt. Die am häufigsten verwendeten Harze waren Sandarak (Harz des Wachholder) und Kolophonium (extrahiert aus den Harzen verschiedenster Nadelbaum Arten) gelöst in Spiritus und Terpentin. Diese Harze sind von minderer Qualität und werden heute nur noch vereinzelt als glanzgebende Zusätze in Spirituslacken eingesetzt. Erfahren Sie mehr über traditionelle Oberflächen.

Retusche an antikem Schrank

Durch mein Flair für alte, originale Oberflächen habe ich mich mit solchen gealterten ländlichen Harzfirnissen auseinandergesetzt, und eine Methode entwickelt wie diese wieder Regeneriert werden können.

Es ist zu hoffen, dass in Zukunft wieder mehr Menschen den künstlerischen und kulturhistorischen Wert solcher Objekte erkennen und sich gegen das Ablaugen und somit unwiederbringliche zerstören entscheiden. Denn die meisten antiken Schränke, Kommoden und Truhen aus Tannenholz waren ursprünglich bemalt.